Klimaneutralität

Laut Weltklimarat ist die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 notwendig, um die globale Erwärmung auf einen sicheren Schwellenwert von 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das Ziel der Klimaneutralität wurde im Pariser Klimaabkommen festgelegt, das von 195 Staaten, einschließlich der EU, unterzeichnet wurde. Doch was bedeutet "klimaneutral" eigentlich und was bedeutet "CO2-neutral"? Wie lassen sich diese Ziele umsetzen? Und sind die Begriffe "klimaneutral" und "CO2-neutral" das Gleiche?

Was versteht man unter Klimaneutralität? – Eine einfache Definition

Die Klimaneutralität bis 2045 ist ein erklärtes Ziel der Bundesregierung. Klimaneutralität bedeutet nicht, dass weltweit keine schädlichen Treibhausgase mehr ausgestoßen werden. Das wäre schlichtweg nicht möglich. Stattdessen bezieht sich der Begriff auf ein Gleichgewicht zwischen den emittierten Schadgasen und ihrer Aufnahme aus der Atmosphäre in sogenannten Kohlenstoffsenken. Der Zielzustand der Klimaneutralität sind Netto-Null-Emissionen, das heißt, alle Treibhausgasemissionen sollen durch Bindung ausgeglichen werden.[1]

Vorsicht: Häufig wird der Begriff "Klimaneutralität" nur für die Aufnahme bzw. Reduzierung von CO2, also Kohlenstoffdioxid, verwendet. Streng genommen bezieht sich Klimaneutralität aber auf alle Treibhausgase, zusätzlich also auch zum Beispiel auf Methan.[2] Der Einfachheit halber und da CO2 einen so großen Anteil an den weltweit erzeugten Treibhausgasemissionen hat, wird die Klimaneutralität im Folgenden aber auf CO2 bezogen.

Als Kohlenstoffsenken bezeichnet man Systeme, die mehr CO2 aufnehmen als sie abgeben. Zu den natürlichen Kohlenstoffsenken zählen Böden, Wälder und Ozeane. Schätzungen zufolge binden natürliche Senken weltweit jährlich 9,5 bis 11 Gigatonnen CO₂. Zum Vergleich: Die globalen CO₂-Emissionen betrugen im Jahr 2020 36 Gigatonnen.

Leider gibt es bislang keine künstlichen Kohlenstoffsenken, die so viel CO2 binden könnten, wie es zur Bekämpfung der Erderwärmung und zur Erreichung der Klimaneutralität nötig wäre. Hinzu kommt, dass der in natürlichen Senken gespeicherte Kohlenstoff zum Teil wieder in die Atmosphäre gelangt – etwa durch Waldbrände, Abholzung oder Änderungen in der Landnutzung. Deshalb gilt es, die CO₂-Emissionen nicht nur auszugleichen, sondern insgesamt zu senken, um Klimaneutralität zu erreichen.[1]

Haben "CO2-neutral" und "Klimaneutral" dieselbe Bedeutung?

"Klimaneutral" und "CO2-neutral" bezeichnen nicht dasselbe, da man beim Ziel der Kohlendioxid-Neutralität lediglich über CO2-Emissionen spricht und andere Treibhausgase ausklammert, die hingegen bei der Klimaneutralität eine Rolle spielen. Diese können zum Teil aber schon in kleinen Mengen große Auswirkungen auf das Klima haben. Methan zum Beispiel, das bekanntermaßen in großen Mengen durch die Massentierhaltung entsteht, ist 25-mal so schädlich wie dieselbe Menge CO2. Lachgas, das ebenfalls durch die Tierhaltung entsteht, hat eine 298-mal so schädliche Wirkung.

Gerade in Ländern mit viel Intensivlandwirtschaft macht es daher einen großen Unterschied, ob man von CO2-Neutralität oder Klimaneutralität spricht. Ein Beispiel: Während in Deutschland 90 Prozent aller Emissionen CO2 sind, beläuft sich der Anteil von CO2 an den Emissionen Neuseelands auf gerade einmal 50 Prozent. Denn: Mit seinen großen Schafzuchten produziert das Land mehr Methan- und Lachgasemissionen.[2]

Warum ist Klimaneutralität wichtig?

Die Erde hat sich bereits um 1,1 Grad Celsius erwärmt. Wissenschaftler befürchten, dass ein erneuter Anstieg um mehr als 1,5 Prozent weitreichende Schäden für die weltweiten Ökosysteme und nicht wiedergutzumachende Beeinträchtigungen des Klimasystems zur Folge hätten.

Dass der Klimawandel existiert und welche Folgen er haben kann, spüren bereits heute Milliarden von Menschen. Weltweit fliehen Menschen häufiger vor Naturkatastrophen als vor Kriegen und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Es kommt vermehrt zu Waldbränden, Gewittern, Starkregen, Hitzeperioden und Dürren. Bei der Hochwasserkatastrophe in Deutschland im Juli 2021 starben mehr als 180 Menschen. Die Sachschäden der Flut bewegen sich auf Milliardenhöhe.

Man unterscheidet zwischen direkten und indirekten Folgen des Klimawandels. Dabei beeinflussen auch die indirekten Folgen den Menschen unmittelbar und machen das Ziel der Klimaneutralität umso wichtiger.

Direkte Folgen des Klimawandels:

  • steigende Maximal- und Minimaltemperaturen
  • steigender Meeresspiegel
  • höhere Meerestemperaturen
  • zunehmender Starkregen und -hagel
  • Gletscherschwund
  • tauender Permafrost

Indirekte Folgen des Klimawandels:

  • Zunahme von Hunger- und Wasserkrisen
  • Gesundheitsrisiken durch höhere Temperaturen und Hitzewellen
  • wirtschaftliche Belastung durch Bekämpfung der Klimafolgeschäden
  • verstärkte Verbreitung von Krankheitserregern und Schädlingen
  • Verlust an Biodiversität
  • Versauerung der Ozeane
  • Anpassungsnotwendigkeit in wichtigen Bereichen wie Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur, Energiewirtschaft, Tourismus[3]

Herausforderungen beim Erreichen der Klimaneutralität: Was bedeutet Klimaneutralität für Haushalte und Unternehmen?

Um der Umwelt nicht noch mehr zu schaden, ist die ganze Welt aufgerufen, sich klimaneutral zu verhalten. Gewohnheiten sind zu überdenken und der CO2-Ausstoß zu senken. Die Verantwortung liegt dabei nicht nur bei einzelnen Menschen, sondern auch bei sämtlichen Industrien und Großkonzernen.[3]

Verbraucher können unnötige Emissionen vermeiden, indem sie im Haushalt erneuerbare Energien einsetzen. Sehr beliebt und vielfach eingesetzt als Methode der klimaneutralen Energieversorgung ist Photovoltaik bzw. Solarenergie. Die Energieeffizienz wiederum lässt sich durch unkomplizierte Maßnahmen wie den Austausch alter Halogenleuchten und das Vermeiden des Standby-Modus steigern. Weitere Maßnahmen ist der vermehrte Einkauf regionaler und klimaneutraler Produkte und Rückführen kaputter Geräte oder alter Kleidung in den Recycling-Kreislauf.

Für Unternehmen dagegen bedeutet Klimaneutralität beispielsweise, alle Emissionen zu erfassen und anschließend zu reduzieren bzw. zu kompensieren. Von der Stromerzeugung und der Heizung bis zu Anfahrten und Geschäftsreisen lässt sich damit eine Menge klimaschädlicher Emissionen sparen. Statt beispielsweise für jedes Meeting auf Reisen zu gehen, bieten sich Kommunikationsformate wie Videochats an. Unternehmen können auf Ökostrom umstellen, Anfahrten reduzieren, indem sie Home-Office-Regelungen einführen, und ihre Mitarbeiter anweisen, mit der Bahn statt mit dem Flugzeug zu reisen.[4]

Was kann man tun, um Klimaneutralität zu erreichen?

2019 betrug der CO2-Ausstoß pro Kopf in Deutschland 7,75 Tonnen.[5] Für das Erreichen der Klimaneutralität ist jedoch ein Pro-Kopf-Ausstoß von rund zwei Tonnen CO2 nötig.[6] Das bedeutet: Die CO2-Emissionen müssen reduziert und ausgeglichen werden.

Für das Ziel der Klimaneutralität ausschlaggebend ist die Art wie wir leben – also wohnen, einkaufen, uns fortbewegen und uns ernähren.[3] In all diesen Bereichen können Emissionen vermieden werden, indem man beispielsweise folgende Dinge verändert:

  • Wohnen: Die Menge der Emissionen steigt mit der Größe der Wohnfläche und dem Dämmzustand der Heizung. Bei der Frage, welche Heizung klimaneutral ist, helfen Heizungsfachleute weiter.
  • Mobilität: Je weniger Fernreisen man vor allem mit dem Auto oder Flugzeug unternimmt, desto geringer ist der CO2-Ausstoß. Auch der Kraftstoffverbrauch des Autos spielt eine Rolle, weshalb man auf Niedrigverbraucher, E-Modelle oder klimaneutrale Autos mit moderner Brennstoffzellen-Technologie setzen sollte. Autos, die mit Wasserstoff-Brennstoffzelle oder Direktmethanol-Brennstoffzelle laufen, verursachen keine CO2-Emissionen im Betrieb.
  • Ernährung: Tierische Produkte wie Fleisch und Milch verursachen besonders viele Emissionen. So verursacht die Produktion von einem Kilo Rindfleisch 11 bis 30 Kilogramm Treibhausgasemissionen. Bei Obst und Gemüse (und pflanzlichen Alternativen wie Hafermilch) sind es sehr viel weniger der schädlichen Gase. Empfehlenswert sind auch Bioprodukte, die auf kurzen Wegen in den Supermarkt gelangen und einen wichtigen Beitrag zum Wasser- und Bienenschutz leisten.

Sind erneuerbare Energien klimaneutral?

Erneuerbare Energien wie Sonne, Wind, Wasser und Geothermie tragen zur Klimaneutralität bei, da ihre Gewinnung und ihr Einsatz frei von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen wie CO2 sind. Weitere Vorteile sind, dass man mit ihnen nicht nur Strom, Wärme und Kraftstoffe produzieren kann, sondern sie auch in praktisch unbegrenztem Maße zur Verfügung stehen.[7]

Was ist ein CO2-Zertifikat?

Kurz gesagt, steht ein CO₂-Zertifikat für die Menge an Treibhausgasemissionen, die kompensiert werden. Die Zertifikate werden von Klimaschutzprojekten und Unternehmen genutzt, um die von ihnen eingesparte bzw. vermiedene Menge an Emissionen zu berechnen. Beispielsweise wird bei der Stromgewinnung durch erneuerbare Energien die Menge an eingesparten Emissionen errechnet, die durch die Umsetzung dieser Art von Stromgewinnung entsteht. Anschließend wird die eingesparte Menge mit den Emissionen gegengerechnet, die ohne das Klimaschutzprojekt entstanden wären.

Auf diese Weise können Unternehmen CO₂-Emissionen, die für die Herstellung von Produkten oder Dienstleistungen anfallen und sich nicht weiter reduzieren lassen, durch den Erwerb von CO₂-Zertifikaten kompensieren und klimaneutral werden.[8]

Fazit

In natürlichen Kohlenstoffsenken wie Wäldern und Böden können schädliche Treibhausemissionen gespeichert werden. Das Ziel der Klimaneutralität ist dann erreicht, wenn die Emissionen bei "Netto-Null" liegen, also alle Treibhausgasemissionen durch Bindung ausgeglichen sind. Um die Klimaneutralität umzusetzen, müssen sowohl Verbraucher als auch Unternehmen weltweit ihre Gewohnheiten überdenken und den CO2-Ausstoß reduzieren. Durch die Industrie verursachte Emissionen, die nicht vermieden werden können, müssen zugunsten der Klimaneutralität ausgeglichen werden. Dies geschieht beispielsweise bereits durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten.